Aus dem Leben der SSJ

„Zu den Wurzeln…“

Der Herbst ist in unserer Gemeinschaft normalerweise die Zeit für die Formation. Trotz verschiedener Komplikationen und Beschränkungen durch das Coronavirus war es auch heuer nicht anders.
Zwei von den ersten Schwestern der Gemeinschaft, Sr. Maria Fehr und Sr. Marlies Schertler, teilten mit Freude und Eifer ihren jüngeren Mitschwestern von ihren Erinnerungen, Erfahrungen und Sichtweisen zu verschiedenen Bereichen des Lebens der Gemeinschaft mit – die Priorität des geistlichen Lebens, die Einfachheit des Lebens, das gemeinsame Leben, das Apostolat… Ein feierlicher Abschluss des zweiten Kurses war am 13. 11. die Gelübdeerneuerung der dritten unserer jüngsten Schwestern. Die hl. Messe zelebrierte P. Ambros SJ in der Kapelle des Zentrums.
Anfang nächsten Jahres soll das vierte Generalkapitel der SSJ stattfinden. Sei-ne Aufgabe ist nicht nur eine neue Generalvorgesetzte zu wählen, son-dern auch das geistliche Erbe der Gemeinschaft zu schützen. Daher be-schäftigten sich die Schwestern schon im Sommer mit dem Leben in der Gemeinschaft und damit, wo es gilt wachsam zu sein. Dieses Thema – „Zu den Wurzeln…“ – zog sich auch durch die verschiedenen Treffen und die Formation. Aus ihnen geht nämlich alles Wachstum hervor, und einzig das Leben aus den von Gott geschenkten Wurzeln garantiert Zukunft.

Gelübdeerneuerung

Seit Jahresbeginn bereiteten sich die drei jüngsten Schwestern auf die Erneuerung ihrer Gelübde – der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams – vor.

„‚Alles, was für unser Leben und unsere Frömmigkeit gut ist, hat seine göttliche Macht uns geschenkt: sie hat uns den erkennen lassen, der uns durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat‘ (2 Petr 1,2). So bekennt Petrus in seinem Brief und spricht Ihnen damit vielleicht aus der Seele,“ betonte P. Gerwin Komma SJ bei seiner Predigt bei der Gelübdeerneuerung von Sr. Anna am 1. Juli in Wien.

„Reich beschenkt durch die bisherigen Jahre der engen Bindung an Christus und an die von Ihnen gewählte Gemeinschaft der SSJ, und gefestigt in der Erkenntnis, sich erneut Christus zu weihen, der Sie durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat. Deswegen sind wir hier in der Stanislauskapelle versammelt und bitten, dass auch der hl. Stanislaus Ihnen beistehe auf Ihrem weiteren Weg.“ An Ort und Stelle, wo dieser junge Jesuitenheilige, Patron der Novizen und Studenten, in der Zeit seiner Studien wohnte, erläuterte P. Komma dessen Entschlossenheit, mit der er seiner Berufung folgte, trotz des Widerstandes der Eltern und zahlreicher anderer Hindernisse.

Am Fest des Apostels Thomas, dem 3. Juli, erneuerte in der Annakirche in Olomouc Sr. Jiřina ihre Gelübde. Die hl. Messe feierte Dompfarrer P. Ladislav Švirák.

„Der Eröffnungsvers zum heutigen Fest des hl. Thomas sagt: ‚Ich bekenne, dass du mein Herr und mein Gott bist; ich will dich rühmen, mein Gott!‘ Das ist ein Wort, ein Motto, eine Parole, die sich jeder von uns mit auf den Weg nehmen kann. … ‚Thomas, jetzt berühre, es ist nicht mehr die Zeit für Zweifel, ich bin es wirklich. Jetzt kann die Gnade in dich fließen, die du von mir erhalten hast, in meiner Barmherzigkeit versinken all dein Versagen, alle deine Zweifel, deine Gewissensbisse, dein Bewusstsein der Schwäche, des Mangels. Ich bin jetzt ganz für dich da.‘ Und Thomas bekennt in diesem Staunen – Jesus hat ihn erschüttert und begeistert – seine Liebe. Einen ähnlichen – inneren – Weg haben wir wohl alle, zwar in verschiedenen Variationen, aber alle. Und wie gut ist es, wenn wir vor Jesus unsere Mangelhaftigkeit spüren, damit wir ihn sehen, wenn wir die Augen öffnen, und ihm sagen können: du bist mein Alles.“ (Aus der Predigt von P. Švirák)

Noch einmal sollen sich die Schwestern heuer zu einem derartigen Anlass treffen. Im November, wenn die dritte des Kleeblattes der jüngsten Schwestern ihre Gelübde erneuert.

 

Aus dem Exerzitien 2020

Infolge der Beschränkungen wegen der Coronavirus Pandemie machte ein Großteil der Schwestern die heurigen Exerzitien im Umfeld ihrer Kommunität. Obwohl die Form unerwartet war, nahm sie doch dem Exerzitienprozess nichts von seiner Kraft und trug diesen Geist noch dazu direkt dorthin, wo die Schwestern ihre Berufung und Sendung leben… War doch gerade die Sendung Thema der Exerzitien.

„Es gibt einen subtilen, aber wichtigen Unterschied zwischen den beiden Ausdrücken: ‚Wirken für Gott‘ und ‚Gottes Werk tun‘. Der erste Ausdruck erinnert an einen freischaffenden Künstler, der langfristige Verpflichtungen ablehnt, unabhängig entscheidet, welche Arbeit er in Angriff nehmen will, und dann das Ergebnis dem Höchstbietenden offeriert. In diesem Fall wird das Endprodukt Gott angeboten, aber man weiß noch nicht, ob er es annimmt oder nicht. Beim zweiten Ausdruck liegt die Entscheidung des Tuns bei Gott, von dem man sich in Anspruch nehmen lässt. Unser Tun ist dann von Anfang an Gottes Werk.

Die Geistlichen Übungen des hl. Ignatius sind darauf ausgerichtet, zwischen dem zu unterscheiden, was Gott von uns getan haben will, und dem, was wir selbst für Gott tun möchten. Es genügt nicht, dass wir dem Allmächtigen nach unserer eigenen Fasson dienen. Nein, Gott soll sich unser frei bedienen dürfen. Wir können sicher sein, dass Gottes Wille nie eine Bedrohung für unser Wohlergehen ist. Gott liebt uns mehr, als wir uns selbst lieben!“

(P. Piet van Breemen SJ)

Erster Todestag von Sr. Marta Kaniová

Am 8. Juni war es ein Jahr seit dem Weggang von Sr. Marta Kaniová in die Ewigkeit. Der Herr des Lebens rief die erste Schwester der Gemeinschaft letztes Jahr am Vorabend von Pfingsten zu sich und bestätigte damit gleichsam das eng mit dem Wirken des Heiligen Geistes verbundene Leben von Sr. Marta.

„Der Heimgang von Sr. Marta war nicht nur irgendwie in der Nähe von Pfingsten, sondern unmittelbar nach der Feier der Pfingstvigil. Wir können sagen, dass es ein weiterer „Pfingst-Meilenstein“ für unsere Gemeinschaft ist, deren es schon so einige gibt. Es war nicht nur im Jahr 1981, wo sich gerade zu Pfingsten die neue Gemeinschaft zu Wort meldete… Für Sr. Marta war es vor allem auch Pfingsten 1990, wo auch sie sich buchstäblich vom Heiligen Geist überwältigen ließ… und sich entschloss von der BRD in die Tschechoslowakei zurückzugehen, dort der Gemeinschaft auf die Beine zu helfen…“, erinnert sich Sr. Marlies, eine der ersten Schwestern SSJ.

Der tiefe Glaube und das Interesse um die anderen sind Züge von Sr. Marta, die sich in die Herzen der tschechischen Schwestern eingeschrieben haben, die sie als Novizenmeisterin die Grundlagen des Ordenslebens gelehrt hat und sie auch in den weiteren Jahren mit Wort und Beispiel begleitete.

„So wie ich das Leben von Sr. Marta kennenlernen konnte, gab es viele solcher Unklarheiten für einen so sensiblen und tiefen Menschen wie sie es war. Aber die Sicherheit der Geborgenheit in den Armen Gottes ermöglichte es ihr, mit ihrem einzigartigen Lächeln auf bisher unbekannten Wegen zu gehen, in Dankbarkeit gegenüber denen, die sie auch mit Kleinigkeiten unterstützten, und ebenso andere dafür zu ermutigen, die zögerten und zweifelten.“ (Sr. Marie N.)

 

Quarantäne in Tschechien, Österreich und Italien

Die Corona-Pandemie hat heuer in der Fastenzeit unerwartet in unser aller Leben eingegriffen, viele Menschen verunsichert und gezeigt, dass das, was oftmals als selbstverständlich er­scheint, bei weitem nicht selbstverständlich ist… Die ganze Si­tuation hat auch das Leben der Gemeinschaft spürbar getroffen. Auf einmal sind wir Schwestern durch Grenzen getrennt, die man für eine gewisse Zeit nicht überschreiten kann…

Zu dieser Situation schrieb Sr. Marie Čeganová am 12. 3. eine Aufforderung zum Gebet. „Wenn unsere Vorfahren etwas er­lebten, was ihre Kräfte überstieg, flüchteten sie immer zum Gebet. Die unzähligen Säulen, Kreuze, Marterl in unseren Städten und Gegenden zeugen von der Festigkeit ihres Glau­bens. Sie ließen sich nicht durch Angst oder Panik von den vielen Auswirkungen verschiedener Schläge lähmen, sondern nahmen den Rosenkranz in die Hand, knieten vor dem Taber­nakel und riefen zum Himmel. … Wir können nicht die Augen schließen, aber gleichzeitig sollen wir nicht Befürchtungen und Zweifeln verfallen. Unser Weg ist das Gebet.“ Die Schwestern schlossen sich dem Aufruf der tschechischen Bischöfe an, ge­meinsam um 20 Uhr den Rosenkranz zu beten für das Ende der Pandemie, für alle Kranken und das betreuende Personal, für die Verantwortungsträger bei schwierigen Entscheidungen.

Die neue Situation betrifft die einzelnen Kommunitäten unter­schiedlich, je nach konkreter Arbeit der Schwestern und der Möglichkeit an der hl. Messe teilzunehmen. Nach Beendigung der öffentlichen Gottesdienste feiern die Schwestern über TV oder Internet die hl. Messe mit. Die Schwestern, die in Häusern wohnen, wo Priester wirken, können an hl. Messen im kleinen Rahmen teilnehmen. In mehreren Kommunitäten beteiligen sich Schwestern am Nähen von Mundschutz für Mitschwestern, Priester und viele andere. Für die Schwestern ist die Corona-Quarantäne eine Zeit, in der mehr als sonst die Haltung des hl. Ignatius zum Tragen kommt: Gott in allen Dingen suchen. Trotz verschiedener Belastungen und Unsicherheit haben diese Tage das Geheimnis von etwas Heiligem in sich, was der Herr darin wirkt…

Erster Todestag von P. Robert Kunert SJ

In der Karwoche, am 8. 4. 2020, war es ein Jahr, dass P. Robert Kunert SJ, der Gründer der Gemeinschaft der Schwestern Jesu, zu seinem Herrn und Meister gerufen wurde. Dieses Jahr wurde für die Gemeinschaft zu einem Meilenstein. Mit der Vollen­dung des Lebens ihres Gründers begann eine neue Etappe, in der die Schwestern eine größere Verantwortung für das anver­traute Charisma und die Sendung spüren. Die kostbaren Au­genblicke der Gegenwart Gottes, die sie bei der Begleitung von P. Kunert an die Schwelle der Ewigkeit erfahren haben, haben sie in ihren Erinnerungen festgehalten und tauschen sich dar­über aus.

Mit seinem Weggang „an das andere Ufer“ wurde P. Kunert auf neue Weise „gegenwärtig“ in ihrem Leben. Oft besuchen sie sein Grab in Olomouc und erbitten sich Hilfe und Licht für die Situationen im persönlichen Leben, für die Kommunität und die ganze Gemeinschaft, und erleben dabei kleinere oder größere Berührungen vom Himmel…

Den Jahrestag des Todes von P. Kunert wollten die Schwestern aus den einzelnen Kommunitäten mit einer hl. Messe in der Kapelle im Zentrum der SSJ feiern. Im Hinblick auf die Maß­nahmen zur Corona-Situation war ein solches Treffen aber nicht möglich. Umso mehr bemühten sie sich, diesen Tag dort, wo sie leben, in der Erinnerung, in Dankbarkeit, im Gebet mit der Bitte um den Segen, um ein Leben aus dem Geist zu gestalten.