Das Jahr 2026

Fest der Freude im wiener Stephansdom

Am 17. 10. 2025 ernannte Papst Leo XIV. Josef Grünwidl nach Emeritierung von Kardinal Schönborn zum Erzbischof von Wien. Die Bischofsweihe mit Amtseinführung fand am 24. 1. 2026 statt. Da der Stephansdom nicht für alle Interessenten Platz bot (ca. 3000), konnten nur zwei Schwestern von uns persönlich im Dom dabei sein, die anderen verfolgten die Feier bei der Live-Übertragung.

Am Beginn wurde das sehr persönliche Ernennungsdekret von Papst Leo XIV. in deutscher Übersetzung verlesen. Hauptkonsekrator war Kardinal Schönborn, die zwei Mitkonsekratoren Erzbischof Lackner und – eine schöne Verbindung zu unserem Nachbarland Tschechien – Bischof Přibyl von Litoměřice.

Sein Motto lautet: „Nehmt die Melodie Gottes in euch auf“

Er sagt selber anlässlich seiner Bischofsweihe und Amtseinführung: „Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht: für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. – Diese Worte des hl. Augustinus, der einer der großen Theologen und Bischöfe unserer Kirche war, machen mir Mut. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ!“

Seinen Dienst als Erzbischof sieht Grünwidl, der 1963 geboren und 1988 zum Priester geweiht wurde, darin „Gottes Melodie, die Partitur des Evangeliums, im eigenen Leben und in vielen anderen Menschen zum Klingen zu bringen, und zwar inspiriert und begeistert durch unseren Dirigenten, den Heiligen Geist.“

Fast ein Jahr haben wir zusammen mit den Gläubigen der Diözese um einen guten neuen Erzbischof gebetet. In Dankbarkeit beten wir weiter für unseren neuen Hirten, der durch einen schlichten Lebensstil den Menschen nahe sein will. Auch wir können so wie er sagen: Gott will uns nicht vollkommen, sondern verfügbar! Es war eine Bestärkung im Glauben, wo Gottes Nähe spürbar war.

Kommunität Wien

35 Jahre auf tschechischem Boden

Der tschechische Jesuit P. Robert Kunert SJ und Sr. Marta Kaniová, ebenfalls tschechischer Staatsangehörigkeit, standen 1981 mit drei österreichischen Schwestern an der Wiege der Gemeinschaft der Schwestern Jesu. Nach der Öffnung der Grenzen im Zuge der Samtenen Revolution war es absehbar, dass die junge Gemeinschaft mit dem tschechischen Umfeld in Kontakt kommen würde. Die ersten tschechischen Novizinnen traten schon 1990 in die SSJ ein, im selben Jahr zeigten weitere Mädchen ihr Interesse… Daher musste ein Ort gesucht werden, an dem die Gemeinschaft in der damaligen Tschechoslowakei Fuß fassen konnte. Ein solcher Ort wurde das Pfarrhaus in Moravská Húzová, wo in den rund zehn Jahren ihres Bestehens der dortigen Kommunität ein Großteil der heutigen tschechischen Schwestern ihr Ordensleben begann.

Die drei Schwestern aus Österreich kamen am 3. 1. 1991 an – dem Tag, an dem im Kirchenkalender der Name Jesu Christi gefeiert wird. Für die Gemeinschaft, die aus der ignatianischen Spiritualität hervorgegangen ist, war dies ein mehr als passender Tag für einen Neuanfang. Die Bedingungen waren anfangs sehr bescheiden, doch dank des Sportsgeistes der Schwestern und der Unterstützung vieler Menschen entstand eine für das tschechische Noviziat geeignete Atmosphäre. Diejenigen, die es erlebt haben, erinnern sich gern an diese Zeit.

Und da Moravská Húzová nur 15 km vom heutigen Zentrum in Olomouc entfernt liegt, machten wir am 3. 1. 2026 einen Besuch – die einen, um sich zu erinnern, andere eher um es kennenzulernen. Wir nahmen auch die kleine Wachsfigur des Jesuskindes mit, die die Schwestern bei der Ankunft im Pfarrhaus gefunden hatten. Sie hatte ihnen damals große Freude bereitet und ihnen Mut für den Neuanfang gegeben.

Wir hielten vor dem Pfarrhaus, das einst das Zuhause unserer Schwestern war; dann in der Kirche St. Florian, wo wir gemeinsam für alle hier stattgefundenen Eintritte und Gelübde dankten, für all die Gnaden, um die die Schwestern und Novizinnen vor dem Tabernakel beteten… Wir beendeten unsere kleine Wallfahrt auf dem Friedhof, wo wir an den Gräbern einiger Wohltäter beteten. Die Fülle der Sonnenstrahlen, die sich im Schnee spiegelten, schienen den schlichten, aber feierlichen Charakter dieses Momentes noch zu unterstreichen: Dankbarkeit gegenüber den großzügigen Menschen und dem Herrn, der sich um die Gemeinschaft und ihr Wachstum gekümmert hat und – wie wir erfahren – sich weiter um sie kümmert…