Das Jahr 2026
Ostern 2026
Die Fastenzeit dient der Vorbereitung auf Ostern, um dieses Geheimnis aufs Neue tiefer zu erfahren. Wenn wir uns jedes Jahr auf diese Weise mit dem Leiden und der Verherrlichung Jesu auseinandersetzen, erkennen wir – mit den Worten von Kardinal C. M. Martini SJ – das Übermaß des Leides Jesu und zugleich das Übermaß seiner Liebe zu uns. Aus Liebe zu uns gibt er sein Leben. Und welche Botschaft birgt dieses Übermaß an Güte, an Liebe zu uns?
Zur Inspiration einige Gedanken von Kardinal Martini, aus dessen Texten wir in unseren Exerzitien oft schöpfen.
Wenn wir darüber nachdenken, was es bedeutet, ein christliches Leben zu führen, dann ist es vor allem die Annahme der Worte Jesu wie ein Kind, ein Sprung des Glaubens. Es bedeutet, Gott vollkommen zu vertrauen und allein auf sein Wort zu setzen. Das christliche Leben ist ein Wagnis des Übermaßes, des Transzendenten. Vertrauen über das Nachweisbare hinaus, vorbehaltlos und selbstlos geben.
Jede vom Glauben inspirierte Tat ist Teil dieser Dynamik des Herausgehens aus sich selbst. Jede Freundlichkeit, die über die strengen Normen der Höflichkeit hinausgeht; jedes Annehmen selbst leicht belastender Situationen; jeder Moment der Vergebung, selbst in kleinen Dingen – all das verweist auf dieses Übermaß. Das ist christliches Leben. Wir sollen nicht auf außergewöhnliche Gelegenheiten warten. Die Gelegenheit liegt hier, in der hingebungsvollen Erfüllung unserer Pflichten. Es gibt einen Heldenmut, der täglich werden kann.
Wir sind geschaffen, um „über das Limit hinauszugehen“, um uns hinzugeben, uns etwas Größerem zu weihen, das alles übersteigt, und es ist dem Menschen unmöglich, in Mittelmäßigkeit zu bleiben. Wer sich in sich selbst verschließt, schadet sich selbst. Nur wenn wir mehr (magis) leben, werden wir uns selbst und Gott finden.
Fastenimpuls 2026
Der ursprüngliche Gedanke der Fastenzeit führte die Gläubigen immer schon dazu, sich mit dem Leiden Christi zu identifizieren. Deshalb rückt diese Zeit sein Leiden in den Vordergrund und lehrt uns, darüber nachzudenken, es soll eine Zeit der Umkehr sein. Den Blick auf Jesus zu richten, auf das, was – nach dem hl. Ignatius in den Exerzitien – der Herr für mich getan hat, soll nicht nur zur Reflexion führen, was ich für Ihn getan habe, sondern vor allem zu der praktischen Frage: Was muss ich für Ihn tun?
Ähnliche Fragen stellen wir uns in den jährlichen Exerzitien; in den letzten Jahren haben uns oft Gedanken von Kardinal C. M. Martini SJ begleitet, in denen wir auch Inspiration für diese Fastenzeit finden.
„Die Passion des Herrn ist die Summe aller Ungerechtigkeiten der Welt, aller Grausamkeiten und menschlicher Qualen. Doch in all dem leuchtet das genaue Gegenteil auf – ein Übermaß an Liebe.
Hier geht es um die unermessliche Liebe Gottes zum Menschen. Paulus erinnert daran, dass es vielleicht jemanden gibt, der bereit ist, sein Leben für einen Gerechten hinzugeben, aber wer wird für einen Ungerechten, für einen Feind leiden? (vgl. Röm 5,7–8). Wir stehen hier vor einer verrückten Liebe ohne Grenzen, die wir niemals vollständig begreifen und beschreiben können.
Betrachten wir Jesus im Gebet. Wir könnten ihn fragen: Wie hast du den Ausbruch der tobenden Leidenschaften erlebt, die sich so heftig gegen dich verbündeten, sowohl bei den Hohenpriestern als auch bei Pilatus, Herodes, bei den Soldaten und beim Volk? Und er wird uns antworten: Ich habe mein Gesicht nicht vor denen verborgen, die mich schlugen, sondern meinen Rücken denen hingehalten, die mich geißelten (vgl. Jes 50,6). Er unterwirft sich diesen Prüfungen, indem er den Ausbruch menschlicher Leidenschaften auf sich nimmt und so zum Sündenbock für sie wird, ein unschuldiges Opfer. Und gerade als solches wandelt er negative Situationen in ihr Gegenteil und führt eine neue Lebens- und Verhaltensweise ein. In all dem liegt das Geheimnis von Leiden, Tod und Auferstehung. Indem er die Zerstörung, die von der Bosheit des Menschen verursacht wird, auf sich nimmt, überwindet er das Böse mit dem Guten. Und obwohl er den Leidenschaften ausgeliefert zu sein scheint, die ihn zu überwältigen drohen, spielt er in Wirklichkeit mit ihnen und besiegt sie als jemand, der sein eigenes Schicksal und das der Welt in die Hand nimmt. Er beweist, dass es möglich ist, diese Dinge zu überstehen, indem man sie von innen heraus überwindet.
Lernen wir von ihm, Ausbrüche der Leidenschaft durchzustehen: nicht nur ihnen nicht nachzugeben und nicht ihr Opfer zu werden, sondern sie auf irgendeine Weise zu reinigen und zu erlösen. Lernen wir, dass wir uns gegen sie nicht nur durch Flucht oder Rückzug verteidigen können – was zudem nicht immer möglich sein wird –, sondern manchmal auch, indem wir uns ihnen stellen und sie an uns heranlassen, damit dieselbe Wende geschehen kann, die Jesus durch sein Leiden bewirkt hat.“
Tag des geweihten Lebens – Interview
mit Sr. Daniela

Am 2. Februar jährte sich der Tag des geweihten Lebens zum dreißigsten Mal. Zu diesem Anlass laden die Diözesanbischöfe jedes Jahr Ordensleute und geweihte Personen ihrer Diözesen zu einem Treffen ein, bei dem sie sich besser kennenlernen und vor allem auf ihrem Weg zu Gott Ermutigung und Inspiration erfahren können. Zwischen 30. 1. und 7. 2. trafen sich die Schwestern mit Bischöfen und anderen Ordensleuten in Olomouc, Hradec Králové, Ostrava und Prag, in Wien, in Klagenfurt und in Rom.
Gleichzeitig ermutigt dieser Tag jeden Einzelnen, zurückzublicken und für das Geschenk des geweihten Lebens dankbar zu sein, insbesondere wenn ein persönliches Jubiläum hinzukommt. Wir haben Sr. Daniela, die heuer am 2. Februar das silberne Jubiläum ihrer ewigen Gelübde feiert, zu diesem Anlass einige Fragen gestellt.
1) Du hast dich sehr jung, eigentlich schon zu Beginn der Mittelschule, für den Eintritt in das Ordensleben in unserer Gemeinschaft entschieden. Könntest Du uns ein wenig erzählen, wie es dazu kam?
– Durch einen seltsamen Zufall befand ich mich bei den Exerzitien, die unser Gründer, P. Robert Kunert SJ gab. Ich war 16 und hatte keine Ahnung, was Exerzitien sind, aber sie stellten mein Leben völlig auf den Kopf. Tief berührt haben mich die Worte: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Verstand und mit all deiner Kraft.“ Mir wurde klar, dass ich genau das wollte. Mit der Hilfe von P. Robert entdeckte ich, dass der Herr mich rief. All meine Träume und Wünsche zusammen waren nichts im Vergleich zum Erkennen des Schatzes der Berufung. Es war unmöglich, darauf nicht zu antworten. Seither sind schon 34 Jahre vergangen, und sie ist immer noch lebendig wie eh und je, es ist die erste Liebe, die für immer im Herzen bleiben wird.
2) Du hattest Gelegenheit, P. Robert Kunert SJ in seinen letzten Lebensjahren zu begleiten. Welche seiner Haltungen, Eigenschaften oder Worte begleiten oder inspirieren Dich in Deinem Alltag?
– Pater Robert liebte seine Berufung sehr und lehrte dies jede Schwester – auch mich: „Danke jeden Tag für eure Berufung und bitte täglich um die Gnade der Treue und Ausdauer!“
3) Wofür bist Du in Deinem geweihten Leben am dankbarsten, was macht Dich glücklich?
– Je älter ich werde, desto dankbarer bin ich für die Formation, die wir dank Pater Robert erhalten haben und auch nach seinem Tod weiterhin erhalten. Es ist oft nicht einfach, aber dieser klare Fokus auf eine persönliche Beziehung zu Christus – unser Ziel – ist eine große Hilfe und meine Freude.
4) In Deinem Dienst als Krankenschwester im Pflegeheim bist Du denen nahe, die sich dem Lebensende nähern. Wie siehst Du Deine Rolle als Ordensschwester im Dienst an diesen Menschen?
– Als ich Krankenschwester wurde, war es meine Sehnsucht, den Kranken zu dienen und sie zu „retten“. Auch Dank P. Robert kam ich den Sterbenden näher und erkannte, dass die Zeit unmittelbar vor dem Tod die wichtigste Zeit im Leben eines Menschen ist. Es geht nicht mehr um die Rettung des Leibes, sondern der Seele, denn sie wird bald ihrem Schöpfer von Angesicht zu Angesicht begegnen. Ich glaube an die unendliche Barmherzigkeit Gottes, ich glaube an die unermessliche Liebe Gottes zu jedem Menschen, und ich sehne mich danach, dies auch an alle Sterbenden weiterzugeben, denen ich nahe sein kann.
Fest der Freude im wiener Stephansdom
Am 17. 10. 2025 ernannte Papst Leo XIV. Josef Grünwidl nach Emeritierung von Kardinal Schönborn zum Erzbischof von Wien. Die Bischofsweihe mit Amtseinführung fand am 24. 1. 2026 statt. Da der Stephansdom nicht für alle Interessenten Platz bot (ca. 3000), konnten nur zwei Schwestern von uns persönlich im Dom dabei sein, die anderen verfolgten die Feier bei der Live-Übertragung.
Am Beginn wurde das sehr persönliche Ernennungsdekret von Papst Leo XIV. in deutscher Übersetzung verlesen. Hauptkonsekrator war Kardinal Schönborn, die zwei Mitkonsekratoren Erzbischof Lackner und – eine schöne Verbindung zu unserem Nachbarland Tschechien – Bischof Přibyl von Litoměřice.
Sein Motto lautet: „Nehmt die Melodie Gottes in euch auf“
Er sagt selber anlässlich seiner Bischofsweihe und Amtseinführung: „Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht: für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. – Diese Worte des hl. Augustinus, der einer der großen Theologen und Bischöfe unserer Kirche war, machen mir Mut. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ!“
Seinen Dienst als Erzbischof sieht Grünwidl, der 1963 geboren und 1988 zum Priester geweiht wurde, darin „Gottes Melodie, die Partitur des Evangeliums, im eigenen Leben und in vielen anderen Menschen zum Klingen zu bringen, und zwar inspiriert und begeistert durch unseren Dirigenten, den Heiligen Geist.“
Fast ein Jahr haben wir zusammen mit den Gläubigen der Diözese um einen guten neuen Erzbischof gebetet. In Dankbarkeit beten wir weiter für unseren neuen Hirten, der durch einen schlichten Lebensstil den Menschen nahe sein will. Auch wir können so wie er sagen: Gott will uns nicht vollkommen, sondern verfügbar! Es war eine Bestärkung im Glauben, wo Gottes Nähe spürbar war.
Kommunität Wien
35 Jahre auf tschechischem Boden
Der tschechische Jesuit P. Robert Kunert SJ und Sr. Marta Kaniová, ebenfalls tschechischer Staatsangehörigkeit, standen 1981 mit drei österreichischen Schwestern an der Wiege der Gemeinschaft der Schwestern Jesu. Nach der Öffnung der Grenzen im Zuge der Samtenen Revolution war es absehbar, dass die junge Gemeinschaft mit dem tschechischen Umfeld in Kontakt kommen würde. Die ersten tschechischen Novizinnen traten schon 1990 in die SSJ ein, im selben Jahr zeigten weitere Mädchen ihr Interesse… Daher musste ein Ort gesucht werden, an dem die Gemeinschaft in der damaligen Tschechoslowakei Fuß fassen konnte. Ein solcher Ort wurde das Pfarrhaus in Moravská Húzová, wo in den rund zehn Jahren ihres Bestehens der dortigen Kommunität ein Großteil der heutigen tschechischen Schwestern ihr Ordensleben begann.
Die drei Schwestern aus Österreich kamen am 3. 1. 1991 an – dem Tag, an dem im Kirchenkalender der Name Jesu Christi gefeiert wird. Für die Gemeinschaft, die aus der ignatianischen Spiritualität hervorgegangen ist, war dies ein mehr als passender Tag für einen Neuanfang. Die Bedingungen waren anfangs sehr bescheiden, doch dank des Sportsgeistes der Schwestern und der Unterstützung vieler Menschen entstand eine für das tschechische Noviziat geeignete Atmosphäre. Diejenigen, die es erlebt haben, erinnern sich gern an diese Zeit.
Und da Moravská Húzová nur 15 km vom heutigen Zentrum in Olomouc entfernt liegt, machten wir am 3. 1. 2026 einen Besuch – die einen, um sich zu erinnern, andere eher um es kennenzulernen. Wir nahmen auch die kleine Wachsfigur des Jesuskindes mit, die die Schwestern bei der Ankunft im Pfarrhaus gefunden hatten. Sie hatte ihnen damals große Freude bereitet und ihnen Mut für den Neuanfang gegeben.
Wir hielten vor dem Pfarrhaus, das einst das Zuhause unserer Schwestern war; dann in der Kirche St. Florian, wo wir gemeinsam für alle hier stattgefundenen Eintritte und Gelübde dankten, für all die Gnaden, um die die Schwestern und Novizinnen vor dem Tabernakel beteten… Wir beendeten unsere kleine Wallfahrt auf dem Friedhof, wo wir an den Gräbern einiger Wohltäter beteten. Die Fülle der Sonnenstrahlen, die sich im Schnee spiegelten, schienen den schlichten, aber feierlichen Charakter dieses Momentes noch zu unterstreichen: Dankbarkeit gegenüber den großzügigen Menschen und dem Herrn, der sich um die Gemeinschaft und ihr Wachstum gekümmert hat und – wie wir erfahren – sich weiter um sie kümmert…









