Das Jahr 2021

Das Generalkapitel der SSJ

Am 15. 1. 2021 begann im Zentrum der SSJ in Olomouc das Generalkapitel der Gemeinschaft der Schwestern Jesu. Die Schwestern haben das ganze Treffen im Rahmen des Kapitels dem Schutz der Muttergottes anvertraut. Auf ihre Fürsprache hin erbaten sie sich bei der Eröffnungsmesse, die am 16. 1. P. Švirák im Dom zelebrierte, den Segen Gottes, die Gaben des Heiligen Geistes sowie die Einheit der Herzen.
In der folgenden Woche werden die Schwestern sich im Gebet, im gegenseitigen Zuhören, im Reflektieren des Lebens der Gemeinschaft aus verschiedenen Blickwinkeln ihres Charismas vertiefen, um zu erspüren, was auf den einzelnen Ebenen notwendig ist zu bewahren und was zu erneuern. Am Freitag, 22. 1. werden sie eine neue Generalvorgesetzte für die nächsten sechs Jahre wählen. Der Erzbischof von Olomouc, Jan Graubner, wird bei der Wahl den Vorsitz haben.

Neue Generalvorgesetzte der SSJ

Am 22. 1. begrüßten die Schwestern beim 4. Generalkapitel in ihrer Mitte Erzbischof Jan Graubner, der in der Kapelle des Zentrums die hl. Messe feierte und anschließend bei der Wahl der neuen Generalvorgesetzten der SSJ den Vorsitz führte. Dabei wurde Sr. Alena Jindrová für sechs Jahre gewählt. Diesen Dienst übernahm sie von Sr. Marie Čeganová, die die Gemeinschaft beinahe 20 Jahre geführt und zusammen mit P. Kunert SJ Gestalt und Form der SSJ nach deren Errichtung als Institut des geweihten Lebens (2002) gestaltet hat.
 
„Am wichtigsten für die Erfüllung jeglicher Sendung ist es, sich dem Heiligen Geist zu öffnen, sich ihm absolut zur Verfügung zu stellen. Das habe ich mir in den vergangenen Jahren der Zusammenarbeit mit Sr. Marie Čeganová ‚abgeschaut‘. Und so will ich zusammen mit euch aufmerksam sein für die Stimme Gottes und erfüllen, was wir als seinen Willen erkennen“, sagt Sr. Alena Jindrová am Beginn ihres Dienstes. Anschließend wählte das Generalkapitel auch den Generalrat der SSJ, der der neuen Generalvorgesetzten bei ihrem Dienst helfen wird.

Fotos

Gott war ein Lebendiger, eine Person

Im Evangelium bei Johannes stechen seine lebendigen Erinnerungen an die erste Begegnung mit Christus ins Auge, die sein bisheriges Leben auf den Kopf stellte (vgl. Joh 1,39). Sr. Jana Radová hatte Dank der Bitte um einen Beitrag für die Pfarrchronik von Kelč, des Ortes, aus dem sie stammt, eine ähnliche Gelegenheit zur Reflexion.

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„Meine Entscheidung zum gottgeweihten Leben ist durch viele Berührungen der Gnade Gottes herangereift. Im Rückblick sehe ich, wie Gott mich seit der Kindheit angezogen hat. Mein Weg der Berufung begann in der Familie. Zuhause sprachen wir ganz normal über Gott und Glaubensdinge. Gott war ein Lebendiger, eine Person. Zur hl. Messe gingen wir oft auch während der Woche und den Eltern verdanken wir es auch, dass wir gelernt haben, regelmäßig und mit Freude die Sakramente zu empfangen.
Unseren Großonkel, P. František Pitrun SDB besuchten wir bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1990 fast jeden Sonntag in seinem Pfarrhof. Manchmal kam auch er zu uns auf Besuch nach Kelč. Als ich noch klein war, machte ich mit ihm nach dem Mittagessen einen Spaziergang: ein fünfjähriges Mädchen mit Puppe im Wagerl und ein älterer Herr Pfarrer mit dem Brevier unterm Arm. Am Ziel unseres Spaziergangs, einem kleinen Teich in der Nähe, setzte sich der Onkel dort auf eine Bank und betete, während ich nervös mit dem Puppenwagen auf und ab ging, weil mir sein Gebet sehr lang vorkam… Ich glaube, auch er hat seinen Anteil an meiner Berufung.
Ein Kapuzinerpater, P. Cyril Tomaško OFMCap, bemühte sich, unsere Erkenntnisse in den Religionsstunden zu vertiefen. Ich erinnere mich, wie mich in der dritten Klasse bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion seine zudringliche Frage beeindruckte: ‚Wozu sind wir auf der Welt?‘ Ich dachte wirklich angestrengt nach, aber ich kam auf überhaupt nichts! Der ehrwürdige Pater jedoch antwortete auf eine Antwort aus dem Katechismus. Er musste sie selber geben: ‚Wir sind auf der Welt, damit wir Gott erkennen, ihn lieben, ihm dienen und so gerettet werden.‘ Heute weiß ich schon, dass es sich auszahlt, diesen Satz in sich reifen zu lassen…
Es war für mich ein Geschenk, von P. Cyril zusammen mit meiner Schwester in den Chor eingeladen zu werden. Wir trafen uns – wegen der Totalität möglichst unauffällig – im damals unbewohnten alten Pfarrhof. Ich erinnere mich, dass während unserer Treffen oft irgendwelche Geräusche am Gang zu hören waren, jemand beobachtete uns. Die Leiterin des Chores öffnete immer unerschrocken die Tür und sagte: ‚Komm weiter, du Geist, wenn du gut bist.‘ Keine Antwort. Ich glaube, wir wissen nicht einmal, was sie wegen uns ausgestanden hat. Der Chor war für mich eine Schule der persönlichen Beziehung zu Gott, des Gebetes und der Gemeinschaft.
Irgendwann in der zweiten Klasse der Volksschule begann ich auf dem Weg von der Schule kurz in der Kirche Halt zu machen (war es eine Frucht des Sakramentes der Firmung?). Sie war bis zum Gitter geöffnet, und dieses Gitter hat gleichsam meine Sehnsucht nach Gott ‚zum Quadrat‘ vervielfältigt. Nach der Volksschule ging ich in eine kirchliche Mittelschule, an die ich sehr gerne zurückdenke. Dort wirkten Ordensschwestern, über die ich in Zusammenhang mit der Suche meines Platzes in Welt und Kirche eine Zeitlang ernsthaft nachdachte. Zu dieser Zeit brauchte ich aber für mein Reifen vor allem Zeit und Geduld.
Im letzten Jahr der Mittelschule wurden zwei Schwestern der Gemeinschaft der Schwestern Jesu (SSJ) zu uns ins Internat eingeladen. Zuerst war ich eher enttäuscht: die Schwestern trugen z.B. keinen Habit. Nach der Matura fuhr ich zu Exerzitien nach Český Těšín, die der Gründer der SSJ, der Jesuit P. Robert Kunert, leitete. Sie waren ausgerichtet auf die Suche der Berufung. Es war mir dann zwar nicht viel klarer, aber ich bemühte mich, ernsthaft im Gebet zu suchen und hielt Kontakt mit den Schwestern. Am meisten half mir der erste Besuch am Christkönigsfest 1995 bei den Schwestern in Moravská Húzová bei Olomouc. Schwer zu beschreiben, was ich dort erlebte… In dem äußerlich schlichten und einfachen Lebensstil der Schwestern entdeckte ich eine ungeahnte Tiefe. Und eine persönliche Einladung! Kurz, seit dieser Zeit weiß ich, dass Gott unwiderstehlich ist.“

Der österliche Mensch

Vor einem Jahr zu dieser Zeit war es schwer vorstellbar, dass sich das Coronavirus als solch ausdauernder unwillkommener Gast erweist. Es hat Einfluss auf unser aller Leben. Für viele, die durch seine Schuld jemand Nahen verloren haben, ist das Osterfest eine Gelegenheit, den Sieg Christi über den Tod zu berühren, der allen ewiges Leben sowie Hoffnung auf ein ewiges Wiedersehen schenkt.
Zum Vermächtnis von P. Robert Kunert SJ, dem Gründer der Gemeinschaft der Schwestern Jesu, dessen zweiter Todestag (8. 4. 2019) heuer in die Osteroktav fällt, gehören zweifellos ein lebendiger Glaube und die Hoffnung. Beides hat sich sein ganzes Leben hindurch in vielen schwierigen Phasen bewährt. Er lebte aus dem Glauben an Christus und im Geist seiner eigenen Worte war er in der Tat ein „österlicher Mensch“.

„Christ sein bedeutet, ein österlicher Mensch zu sein. Warum? Weil das Christentum, das von Christus ausgeht, gerade am ersten Osterfest in voller Kraft bestätigt und bekräftigt wurde. Mit dem Wort Ostern ist die Auferstehung des Herrn verknüpft und das ist die amtliche Bestätigung all dessen, was Christus lebte, was er lehrte, wie er arbeitete, warum er starb; mit anderen Worten: Durch Ostern haben wir unser Heil garantiert.
Ich möchte euch zeigen, was es bedeutet, ein österlicher Mensch zu sein: Der Mensch, selbstverständlich der Christ, hat eine Hoffnung und die begräbt er nie! Eine Hoffnung zu haben, bedeutet auch ein Ziel zu haben und darauf zuzugehen. Auf ein Ziel zuzugehen, bedeutet verschiedene Hindernisse zu überwinden, zu bewältigen. Diese zu bewältigen, bedeutet das Ziel zu erreichen. Der österliche Mensch ist also ein Mensch, der das Ziel mit Sicherheit erreicht. Ein solcher Mensch hat etwas, was ihn trägt, was ihn zieht, was ihn anstößt. Der österliche Mensch öffnet sich den anderen, er beginnt etwas von sich zu geben. Was kann er von sich geben? Nichts anderes als das, was er hat. Der Inhalt eines österlichen Menschen ist Christus. Es ist nicht nur Christus, der Gekreuzigte, sondern auch der Auferstandene.
Der österliche Mensch ist ein Mensch, der ganz aus Christus lebt, der – und das ist nicht übertrieben – ein zweiter Christus ist! In der Osternacht erklingt in der Liturgie immer der Gedanke an die Taufe. Die Anfänge der Kirche sind mit der Taufe verbunden. Das bedeutet, der Mensch legt den alten Menschen ab und zieht den neuen an, der Christus heißt, und wird so zu einem zweiten Christus. Die Fülle dieses Anziehens von Christus, dem Herrn zeigt und entfaltet sich im Ordensstand. Der Ordensstand mit den Gelübden ist kein eigenes Sakrament. Er muss es auch nicht sein, weil dieser Stand die volle Entfaltung des Taufsakramentes ist. Der österliche Mensch sollte an erster Stelle ein Mensch sein, der sich Gott ganz angelobt, das heißt ein Ordensmensch.“ (Aus einer Predigt von P. Kunert SJ aus dem Jahr 1992)

Erkenntnis des lebendigen Gottes – Exerzitien 2021

Die jährlichen achttägigen ignatianischen Exerzitien gehören zum geistlichen Reichtum der Gemeinschaft. In den ersten Jahren waren es gerade die Exerzitien, die sie am meisten geformt haben, und bis jetzt sind sie jedes Jahr ein gewisser Meilenstein auf ihrem Weg und ebenso eines der wichtigsten Ereignisse im Leben jeder einzelnen Schwester. Vier Gruppen von Schwestern haben sich heuer bereits in das Abenteuer des Exerzitienprozesses eingelassen, auf eine Gruppe wartet es noch im August. Heuer führen diese Übungen die Schwestern auf den Weg der Erkenntnis des lebendigen Gottes. Sie schöpfen aus den Texten von Kardinal Martini SJ über das Leben des Propheten Elija und von Piet van Breemen SJ über die Sendung.
„Es gibt wenige, auch Getaufte, die zur Erkenntnis des lebendigen Gottes herangereift sind, wie ihn die Heilige Schrift uns zeigt und wie ihn uns Jesus zeigt: ein Gott, der nicht nach meinen Vorstellungen ist, der nicht davon abhängig ist, was ich von ihm erwarte, und daher meine Erwartungen auf den Kopf stellen kann, eben weil er lebendig ist…“ (Kard. Martini)
Die Begegnung mit dem lebendigen Gott, der ein unauslotbares Geheimnis bleibt, und trotzdem ein vertrauter Freund eines jeden von uns ist, bewirkt zwei Haltungen: Demut und Dankbarkeit. „Demut bedeutet, mehr auf Gott oder auf Jeus zu schauen als auf sich selbst. Die Blickrichtung auf Gottes Herrlichkeit ist das Entscheidende. Ein wahrhaft demütiger Mensch ist von Gottes Schönheit und Heiligkeit fasziniert und dadurch von vielen Kompliziertheiten und Komplexen befreit. … Dankbarkeit schafft eine positive Einstellung dem Leben gegenüber und erschließt eine frohe Art und Weise, Gott in allem zu finden. … Wer nicht den Mut zur Hingabe hat, kann niemals dankbar sein. Umgekehrt befähigt die Dankbarkeit dazu, sich anzuvertrauen. Letztlich heißt Dankbarkeit: wiederlieben mit derselben Liebe, mit der wir geliebt werden. Dankbarkeit für das Empfangene bricht uns auf für das, was wir zu tun haben, ohne Anmaßung und ohne Kleinmut.“ (P. Piet van Breemen SJ)

Jubiläum 40 Jahre SSJ 31. 7. 2021

In der biblischen Sprache bedeutet der „Vierziger“ eine Vorbereitung um zur Fülle zu kommen. Im Alten Testament sprach Mose 40 Tage mit dem Herrn auf dem Berg Sinai, bevor er den Dekalog erhielt; 40 Tage verbrachten die Boten des Mose im gelobten Land, um es zu durchstreifen; und 40 Jahre pilgerte dann das Volk Israel durch die Wüste, um es dann betreten zu können. Auch der Herr fastete 40 Tage in der Wüste, bevor er zu predigen begann und 40 Tage hindurch erschien er seinen Jüngern, bevor er in den Himmel aufstieg…
Diese symbolische Zahl hat jetzt auch die Gemeinschaft der Schwestern Jesu auf ihrem „Pilgerweg“ erreicht. Waren die vergangenen Jahre eine Vorbereitung auf eine weitere gnadenvolle Etappe…? Und was wartet auf sie…? Das wird die Zeit zeigen.
An der gemeinsamen Feier, die am Hochfest des hl. Ignatius, am Samstag 31. 7. stattfand, konnten fast alle Schwestern teilnehmen. Sie verkosteten das große Geschenk ihrer Gruppe, die nach dem Weggang ihres Gründers, P. Robert Kunert SJ und der ersten Schwester, Sr. Marta Kaniová noch die drei österreichischen Schwestern bei sich hat, die vor vierzig Jahren jenes unwiderstehliche Rufen Gottes vernommen und ihm gefolgt sind. Trotz der Schwierigkeiten der Anfänge und der Dunkelheit. Die Aufmerksamkeit und die Dankbarkeit der jüngeren Generation der SSJ gehörten daher an diesem Tag vor allem ihnen. Aber auch die tschechischen Schwestern haben schon etwas zu feiern. Ihr Wirken auf tschechischem Boden hat heuer immerhin dreißig Jahre erreicht.
Ein willkommener Punkt des Treffens war daher für alle eine Fotopräsentation, die das allmähliche Wachsen dieser damals unbekannten Gruppe von jungen Frauen aufzeigte. In den 40 Jahren, in denen sie auch verschiedene Auf und Ab erlebte, reifte sie zu einer Ordensgemeinschaft diözesanen Rechtes in drei Ländern mit zehn Kommunitäten heran. Am Nachmittag kam auch das humorvolle Element der schwesterlichen Kreativität in Gestalt einer kleinen Theateraufführung zum Wort. Die Freude gehört nämlich zu ihrem Leben, sie soll der „Habit“ der Schwestern sein, ihr Erkennungszeichen. Etwas von dem Hintergrund dieser herzlichen, natürlichen, geistlichen Verbundenheit spiegelt sich in den folgenden Fotos wider.
Der Höhepunkt der Feier am 31. 7. war die gemeinsame tschechisch – deutsche Vesper vom Hochfest des hl. Ignatius in der Annakapelle und anschließend die hl. Messe, die Dompfarrer Ladislav Švirák für die Schwestern feierte. Die Sonntagsmesse im Dom zu Olomouc – als Dank für die Gemeinschaft und für das Geschenk der Berufung – feierten die Schwestern gemeinsam mit der Gemeinde der Dompfarre sowie mit Verwandten und Freunden, die trotz des unfreundlichen Wetters gerne gekommen waren, um sich der Dankliturgie anzuschließen. Am Schluss der hl. Messe berichtete die Generalvorgesetzte Sr. Alena Jindrová kurz über Geschichte und Wirken der SSJ und machte auf die Schautafeln aufmerksam, wo man sich näher über die Gemeinschaft informieren kann; sie bleiben den ganzen August zum Anschauen im Dom.

Fotos

„Würdet ihr doch heute
auf seine Stimme hören“

2022 wird es dreißig Jahre, dass ich in die Gemeinschaft der Schwestern Jesu (SSJ) eingetreten bin. Ich muss erwähnen, dass Gott beruft, nicht der Mensch. Der Mensch kann nur ein Instrument Gottes werden. Und wenn Gott ruft, hat er einen anderen Blick als wir. Bin ich dafür geeignet? Bin ich dafür nicht geeignet? Er weiß, warum er wen beruft. Schon im Voraus hat er Gaben in den Menschen gelegt, von denen der Betreffende gar nichts wissen muss. Wenn er denjenigen für eine bestimmte Aufgabe benutzen will, beschenkt und erfüllt er ihn mit der nötigen Gnade. Man muss nicht spekulieren, zweifeln, sondern aufmerksam sein, ob der Herr nicht an mein Herz „klopft“, ob er nicht mit einer feinen, zarten Stimme ruft und auf meine Antwort wartet. Jede Berufung ist vor Gott originell.
Ich komme aus einer zahlreichen Familie. Die Eltern führten mich/uns zu Gott und zum Weitergeben des Glaubens. In einem bestimmten Alter übernimmt der Mensch selber die Verantwortung für seine Beziehung zu Gott. Ich kann nicht erwarten, dass der andere mir alles weitergibt. Das Interesse weitet das Herz für Gott.
Auch ich hatte meine Pläne: heiraten, zehn Kinder haben. Ich sah, dass ich nicht geeignet bin für das gottgeweihte Leben. Oft betete ich für meinen zukünftigen Weg, für meine Pläne. Einmal kam mir aus heiterem Himmel der Gedanke: „Du betest für deine Interessen und fragst nicht nach den Interessen Gottes.“ Von da an fragte ich mich: „Herr, was meinst du für mich? Lass mich deinen Willen erkennen.“
Wir hatten in der Pfarre einen guten Priester. Die Ansprachen von P. Čunek verschlang ich, unbewusst saugte ich die ignatianische Spiritualität ein. Als der Pater über Exerzitien sprach, sah ich, dass es etwas für mich wäre, Gott, Seinen Willen mehr zu erkennen und mein Leben in Ordnung zu bringen. Nach einiger Zeit nahm ich an Exerzitien in Hostýn teil. An einem Tag traf mich dabei das Wort aus dem Evangelium über den reichen Jüngling ins Herz. „Herr, was soll ich tun?“, war mein Suchen. Als der Jüngling aufzählte, was er alles tut, sah ich darin das, worum ich mich bemühte, was ich tue, aber ständig bleibt eine innere Unruhe. Und da kam das Wort: „Verkauf alles, was du hast.“ Ich habe Verkäuferin gelernt. Das kaufmännische Blut ließ sich damals nicht verleugnen. Verkaufen bedeutet, dass ich es nicht mehr habe. Ich spürte, ich muss mich selber „verkaufen“ – mich dem Herrn verschenken. Und ich gehöre nicht mehr mir selbst.

Sr. Kateřina Sekulová

Advent 2021
mit der Mutter der Stille

Vielleicht stellen wir uns – wie jedes Jahr – am Anfang der Adventszeit die Frage: Worauf warte ich? Oder – warte ich überhaupt auf etwas?
Auch der heurige Advent konfrontiert angesichts der fortschreitenden Pandemie jeden von uns mit der Endlichkeit des Lebens und einer bestimmten Beschränkung. Trotzdem – oder gerade deshalb – kann das für uns zu einem großen Geschenk werden, wenn wir das Angebot annehmen, uns mehr auf das Wesentliche des Advents zu konzentrieren als auf das äußere Kolorit, das dessen Atmosphäre und auch die Atmosphäre der kommenden Weihnachtsfeiertage unwegdenkbar verdeutlicht.
Was es bedeutet, aus dem Wesentlichen zu leben, hat uns auf einzigartige Weise die Jungfrau Maria gezeigt. Das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit, ihres Interesses war nicht sie selber – sondern Jemand anderer, Jesus. Und zwar nicht nur, als Gott durch die Botschaft des Engels in ihr Leben eingetreten ist, wie es uns die Adventszeit vor Augen stellt, sondern ihr ganzes Leben hindurch. Diese Haltung Mariens illustriert sehr schön die Ikone mit dem Titel Mutter der Stille. Sie stellt sie dar mit dem Finger auf dem Mund, ohne Jesus, gleichsam in dessen Erwartung.
Die Stille Mariens bedeutet aber auf keinen Fall, dass sie untätig bleiben würde. Sie eilt doch gleich nach der Verkündigung zu Elisabeth. Nein, das ist keine Starrheit, sondern Dynamik!
Stille, das heißt, Gott Raum zu geben, damit in unserem Leben immer mehr Er handelt.
Wer sonst außer der Jungfrau Maria nach der Verkündigung hätte das Recht, „irdische Sorgen“ zu haben! Sie war nicht naiv, sie wusste gut, in was für eine, mit menschlichen Augen gesehen, unlösbare Situation sie gekommen war. Trotzdem spricht sie in ihrem Lobgesang Magnifikat über nichts von dem! Darin ist keine Rede von Befürchtungen, Unruhe, es erklingen keine Erwägungen oder Spekulationen, nur Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass Gott groß ist, im existentiellen Bewusstsein, dass er sich kümmert und seine Liebe nie auf den Menschen vergisst.
Eine ähnliche Erfahrung können auch wir machen, wenn wir unseren Blick auf das eigene Innere lenken, wo in jedem von uns Gott wohnt, und ihm erlauben, dass er uns versichert, dass er sich wirklich kümmert und nie auf uns vergisst. Dann kann auch in unseren Herzen eine tiefe Dankbarkeit einkehren, die es uns ermöglicht, uns im Vertrauen seinen Händen zu überantworten.
In diesem Sinne kann die Adventszeit zu einer einzigartigen Erfahrung eines neuen Wartens auf Gott in unserem Leben werden. Mögen auch wir ihm, wie di  Jungfrau Maria, die Mutter der Stille, unsere Herzen öffnen und ihm erlauben, dass Er unser Leben gestaltet und lenkt…

(Aus den Gedanken von Sr. Marie Čeganová zum Adventbeginn)