Das Jahr 2022

Besuch von Bischof Basler im Zentrum der SSJ

Bischof Antonin Basler, neu ernannter Ordensvikar für die Erzdiözese Olomouc, war am 12. 1. ins Zentrum der SSJ eingeladen, wo er die hl. Messe feierte. Beim anschließenden Abendessen stellten ihm die Schwestern des Generalrates die Gemeinschaft, ihre 40jährige Geschichte und ihr derzeitiges Wirken vor. In einer freundschaftlichen und herzlichen Atmosphäre beschenkte der Herr Bischof die Schwestern mit seinen Erfahrungen aus dem geistlichen Leben, seiner Liebe zum Gebet sowie mit den Freuden und Sorgen seines Dienstes. Auch der Besuch Ad limina vor kurzem in Rom, der unter anderem in Fotos festgehalten war, kam zur Sprache.

Erste Gelübde

Die Novizinnen Klára Piskořová und Pavlína Chudá machten letztes Jahr Ende August, Anfang September dreißigtägige ignatianische Exerzitien als Tür zur Vorbereitung auf die ersten Gelübde. Somit erfüllte sich langsam die Zeit der Formation im Noviziat, die Ende Februar im gemeinsamen Ablegen der ersten Gelübde gipfeln sollte.
 
Für Klára verschob es sich wegen Covid drei Tage vor dem geplanten Termin der Gelübde, sodass nur Nov. Pavlína am 27. 2. bei der hl. Messe in der Kirche Maria Schnee in Olomouc, die P. Pavel Ambros SJ und P. Jan Regner SJ konzelebrierten, ihre ersten Gelübde ablegte. Das Fest in breiterem Kreis von Schwestern, die aus allen Kommunitäten der Gemeinschaft gekommen waren, fand dann seine Fortsetzung bei einer Agape.
„Die Zeit, in der wir leben, ist unruhig. Gott sieht sie auf eine Art, die zwar dieselbe ist, unverändert, aber er ist nicht teilnahmslos, er ist persönlich, engagiert. ‚Die drei Göttlichen Personen überschauten die ganze Fläche oder das gesamte Erdenrund voll von Menschen, sehend wie alle zur Hölle abstiegen, und beschlossen in ihrer Ewigkeit, dass die zweite Person sich zum Menschen mache um das Menschengeschlecht zu retten.‘ (EB 102) Dass dieser Blick Gottes nicht teilnahmslos und neutral ist, sondern konkret, wird dieser Welt deutlich vor Augen geführt von denen, die Gott zur Teilhabe an der Sendung seines Sohnes ruft und die ihr Vertrauen diesem Wort überlassen haben. Deshalb haben sie die Berufung angenommen! Ergänzen wir: mit Gottesfurcht. Es fand ein Echo in ihren Herzen, die sich in eine Herzensneigung und schließlich auch in die Entscheidung für Angebot verwandelt haben: ‚ihre ganze Liebe als ungeteilten Dienst an seiner göttlichen Majestät‘ zu versprechen.“ (Aus der Ansprache von P. Ambros SJ)
 
Im Vertrauen, dass Gott mit jedem Menschen persönlich geht und ihm das gibt, was maßgeschneidert für ihn ist, waren wir in Erwartung, wann und wo er Nov. Klára zu ihren ersten Gelübden begegnen will. In einer kleineren Gruppe von Schwestern hat sie die Muttergottes vom Muttergottesberg bei Dolní Čermná zu sich „eingeladen“. Dieser Wallfahrtsort, der mit dem Leben und der Berufung unseres Gründers eng verbunden ist, ist für uns kostbar, und wann immer wir ihn besuchen, spricht er von der vertrauten Beziehung von P. Kunert zur Muttergottes zu uns, von seiner Dankbarkeit für das Geschenk der Berufung, vom Mut zu verlassen und trotz Hindernissen dem Ruf Gottes zu folgen.

 
Die hl. Messe mit der Gelübdeablegung feierte am 7. 3. 2022 P. Ladislav Švirák in der Wallfahrtskirche. Danach traf sich eine kleine Gruppe zum Ausklang des Festes in der Kommunität Ústí nad Orlicí, zu der die neue Schwester gehört.

Fotos

 

Kreuzweg – Ich gehe mit dir

1.   Jesus, im Augenblick Deines Urteils schaue ich in Deine Augen. Lese ich aus ihnen mein Urteil?
2.   Die Stunde seines Vollzuges naht auch mir. Strecke ich die Hände der inneren Zustimmung danach aus?
3.   Ich komme aber nicht weit, und schon falle ich. Erkenne ich die Beschämung meines Falles vor den anderen?
4.   Aber es steht hier Deine Mutter, um mir Mut einzuflößen – trotz aller meiner Schwäche – doch weiterzugehen. Bin ich mir dessen bewusst?
5.   Auch mein Freund hat sich gemeldet und mir seine Hilfe angeboten. Beginne ich die dargereichte Hand zu verstehen?
6.   Das von den Augen abgewischte Blut ruft eine Veränderung in meiner Seele hervor. Vermag auch ich in meinem Leid zu vergelten und auch mein Antlitz – mein Lächeln – zu verschenken?
7.   Jesus, ich bin erst auf dem halben Weg und falle wieder, weil ich allein nicht mehr weiter kann. Hebe mich deshalb auf mit der Kraft Deiner Gnade! Bitte ich um sie?
8.   Mit den Augen der Frauen sehe ich die Leiden, die mich ergreifen. Bleibe ich nicht nur bei den Gefühlen, sondern suche ich die Ursachen der Leiden?
9.   Man misst die Kraft nicht nach dem Fallen, sondern nach dem Aufstehen. Verlasse ich mich doch nicht nur auf mich, wenn es mit dem Aufstehen manchmal langsam geht?
10.  Ich bin in einer verzweifelten Lage: Ich stehe allein ohne Mittel und ohne menschliche Hilfe. Vor den Menschen kann ich manches zudecken, aber was decke ich vor Dir zu?
11.  Der Hauptakt beginnt. Bin ich anwesend auch mit meiner Bereitwilligkeit, mitgeopfert zu werden?
12.  Ich höre, wie mein Bruder stirbt. Auf solche Weise also endet die Liebe – durch den Tod –, um auch Anfang meines Lebens zu werden. Höre ich gut?
13.  Was für ein Geschenk bekommst du, Mutter! Schenken ist göttlich. Was kann ich Dir anbieten?
14.  Die größten Dinge geschehen ohne Prunk, still. Ich kann es Dir jetzt nicht mit Worten sagen. Ich weiß, was ich heute tue! Nimmst Du es an, Herr?

Bekehrung als Weg…
Ignatianisches Jahr 20.5.2021-31.7.2022

Die ganze ignatianische Familie – und mit ihr auch unsere Gemeinschaft – begeht das Ignatianische Jahr, das an die 500 Jahre seit der Bekehrung des hl. Ignatius erinnert. Am 20. 5. 1521 wurde er bei der Verteidigung der Stadt Pamplona von einer Kanonenkugel schwer verwundet und erlebte im nachfolgenden Jahr eine tiefe innere Konversion. Sein beinahe einjähriger Aufenthalt in Manresa ließ anhand seiner persönlichen Kämpfe und Erfahrungen eines der wesentlichsten Elemente seiner Spiritualität entstehen, nämlich die geistlichen Übungen (Exerzitien). Die Wandlung des Herzens von einem ehrgeizigen Ritter in einen demütigen Menschen, der Gott hingegeben ist und eine glühende Sehnsucht hat, überall die Ehre Gottes zu verbreiten, ist eine große Aufforderung – daher richtet sich das ganze Jubeljahr vor allem auf die Umkehr.
Papst Franziskus, selber Jesuit, schreibt in seiner Botschaft am Beginn des Ignatianischen Jahres unter anderem: „In Pamplona wurden vor 500 Jahren alle weltlichen Träume des Ignatius in einem Augenblick zerschmettert. Die Kanonenkugel, die ihn verwundete, veränderte den Lauf seines Lebens und den Lauf der Welt. … Diese Kanonenkugel bedeutete auch, dass Ignatius in seinen Lebensträumen scheiterte. Aber Gott hatte einen größeren Traum für ihn. Gottes Traum für Ignatius war nicht auf Ignatius konzentriert. Es ging darum, Seelen zu helfen. Es war ein Traum von Erlösung, ein Traum vom Hinausgehen in die Welt, begleitet von Jesus, demütig und arm.“
Gott verwendet auch in unserem Leben „Kanonenkugeln“, um uns zu helfen, den Blick zu wandeln – auf uns selber und unsere Pläne, auf die anderen, auf die Welt, auch auf Gott selber. Er führt uns auf den Weg der Umkehr. Der Heilige Vater gibt in seiner Botschaft die Richtung an: „Die Umkehr ist eine tägliche Angelegenheit. Selten ist es ein für allemal. Ignatius’ Bekehrung begann in Pamplona, aber sie endete nicht dort. Er bekehrte sich sein Leben lang, Tag für Tag. Und das bedeutet, dass er sein ganzes Leben lang Christus in den Mittelpunkt stellte. Und er tat es durch die Unterscheidung. Die Unterscheidung besteht nicht darin, immer von Anfang an erfolgreich zu sein, sondern darin, zu navigieren und einen Kompass zu haben, um sich auf den Weg machen zu können, der viele Windungen hat, aber sich immer vom Heiligen Geist leiten zu lassen, der uns zur Begegnung mit dem Herrn führt.“

Wann beginnen unsere Herzen zu brennen?

Er war mit ihnen, denn er war schon von den Toten auferstanden. Sie jedoch erkannten ihn nicht. Sie erkannten ihn nicht, sie hatten ihn verloren, weil ihre Hoffnung zunichte gemacht wurde. Sie erkannten ihn nicht, weil sie nicht fähig waren, den Frauen zu glauben, die das behaupteten. Sie erkannten ihn nicht, weil sie den Sinn der Schrift nicht verstanden. Was hinderte also ihre Augen ihn zu erkennen? Es ging mir nicht in den Kopf, wie das möglich ist. Er hat sich ihnen doch genähert, sich ihnen angeschlossen, hat mit ihnen gesprochen. Ein Gedanke begann sich mir aufzudrängen: Sind wir besser dran? Er ist unter uns. Wie oft gehen wir, als ob es ihn nicht gäbe, als ob wir ihn nicht sehen würden, als ob wir ihn nicht wahrnehmen würden. Wir sind erfüllt von Trauer, Hoffnungslosigkeit und weinen über gescheiterte Pläne, oder dass wir nicht das erreicht haben, was wir erwartet haben. Wir sind in der Situation, in der wir uns erst dazu durchkämpfen müssen ihn zu erkennen. Der österliche Mensch muss in uns neu geboren werden. Deshalb ist es gut, sich Jahr für Jahr an dieses Ereignis zu erinnern.
Wann haben sie ihn erkannt? Er sättigte sie mit dem Wort und dem Brot des Lebens. Mir scheint, er hat ihnen neues Leben eingehaucht. Er hat gleichsam ein Feuer entfacht, das in ihnen nur unter der Asche schwelte, das von menschlicher Wahrnehmung und Erwägungen, von der Täuschung der eigenen Sinne übertönt wurde. Erst als sie initiativ wurden, d.h. als sie aus sich selber hinausgingen und die Bitte aussprachen, er möge bei ihnen bleiben, kommt es zur Wende.
Zur dieser Erkenntnis kam es, indem sie den Sinn der Schrift entdeckten und zu ihm durchdrangen und die Initiative ergriffen, anschließend etwas zu unternehmen. Aus sich selbst hinausgehen, die Bedrückung, die Traurigkeit, die Sorgen niederzureißen, sich dem anderen zu öffnen und ihn zum Tisch zu laden. Mit ihm das Brot zu brechen und mit ihm zu essen. Sie erinnern sich an alles, was er ihnen gesagt hatte: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lk 24,32) Ich sage es anders: Hat er nicht das Feuer in uns, das zu verlöschen drohte, von neuem gerade dadurch entfacht, dass er uns die Schrift erklärte? Dieses Feuer, das plötzlich zu einer mächtigen Flamme aufloderte, trieb sie fort aus dem Haus, um den anderen mitzuteilen, dass sie ihn gesehen hatten und was er ihnen gesagt hatte.
Ich ende mit einer Frage, von der wir ausgehen könnten, die auch uns helfen könnte, das langsam verlöschende, aber immer noch glimmende Feuer zu entfachen, das wir mit der Asche unserer täglichen Sorgen und ungelösten Probleme, die uns überfluten, zugedeckt haben: Wann und wie und wodurch beginnt unser Herz zu brennen? Was ist der Blasebalg, der es anfacht? Was ist die Umgebung, in der das Feuer gedeiht? Was bringt das alles zusammen? Dieses Feuer ist nichts anderes als die Liebe zu Christus und die Liebe zum Nächsten.

P. Robert Kunert SJ
Ostern 1999

Dankwallfahrt nach Rom

 

Vom 19. – 27. 4. machten die ersten österreichischen Schwestern SSJ in Begleitung von Sr. Marie Čeganová eine Dankwallfahrt nach Rom. Sie wohnten im Pilgerhaus Velehrad, das von tschechischen Mitschwestern betreut wird und die ihnen ein wunderbares Hinterland bildeten.
 
 
 
Vor fast 40 Jahren, als sich die Gemeinschaft der Schwestern Jesu kristallisierte, waren die Schwestern zusammen mit P. Kunert zu Beratungen bei den zuständigen Ämtern im Vatikan. Vor 20 Jahren wurde dann die Gemeinschaft als Institut des geweihten Lebens – Ordensgemeinschaft diözesanen Rechtes errichtet. Daher war es ihnen ein Anliegen, Gott für sein Wirken und Führung Dank zu sagen. Am Friedhof Campo Verano gingen sie auch zu den Gräbern einiger Jesuiten, die der Gemeinschaft beratend zur Seite gestanden waren, wie P. Leitner SJ, P. Koláček SJ.
 
 
Die Schwestern besuchten nicht nur die Hauptbasiliken der ewigen Stadt, sondern auch die ignatianischen Stätten, weil sie aus dieser Spiritualität leben. Ein geeignetes Ziel im ignatianischen Jubiläumsjahr. Dem hl. Ignatius vertrauten sie die weitere Entfaltung der SSJ an, vor allem in der Kirche Il Gesù an seinem Grab. Den Jugendheiligen Aloisius von Gonzaga, Johannes Berchmans und Stanislaus Kostka legten sie die jungen Menschen ans Herz, im Besonderen jene, die sie in ihrer Suche nach ihrer persönlichen Berufung begleiten.
 
 
 
Einer der Höhepunkte war die hl. Messe mit Papst Franziskus am Sonntag der Barmherzigkeit. So erfuhren sie Rom als die Stadt der Zeugen des christlichen Glaubens, sowohl derer, die ihr Blut vergossen haben als auch jener, die in Treue ihren Glauben leben bis zum heutigen Tag, die die Liebe Christi in die Welt tragen.

 
 

Im Zeichen des Abschieds…

Um Pfingsten herum gedachten wir in Dankbarkeit des 20. Jahrestages der kirchlichen Bestätigung unserer Ordensgemeinschaft. Nach Konsultierung mit den zuständigen römischen Ämtern hatte sie nämlich Erzbischof Graubner am 19. 5. 2002 – damals gerade zu Pfingsten – als Institut des geweihten Lebens – Ordensgemeinschaft diözesanen Rechtes – errichtet. Das verband die Gemeinschaft mit einem Band der Dankbarkeit mit Erzbischof Graubner, der sie die folgenden zwanzig Jahre nicht nur offiziell als Bischof des Hauptsitzes begleitete, sondern auch mit väterlichem Zugang und in Freundschaft.
 
Daher spüren wir seine Berufung zum Prager Erzbischof als Gipfel einer gewissen Etappe der Geschichte der SSJ, die von seiner Person begleitet war. In großer Anzahl kamen wir, um uns am 30. 6. von ihm zusammen mit vielen Leuten aus der Diözese bei einer hl. Messe im Dom zu verabschieden, nach der ihm im Namen der ganzen Gemeinschaft Sr. Alena Jindrová und Marie Čeganová unsere Dankbarkeit zum Ausdruck brachten. Im Gegenzug bekamen sie eine Ermutigung und Zusage der Hoffnung für die Zukunft.

Jedes Jubiläum ist auch ein Aufruf zu den Wurzeln zurückzukehren. In einer Pfingstnovene schöpften wir aus dem Schatz des Geistes, den uns unser Gründer in schriftlicher Form hinterlassen hat. Eine weitere Gelegenheit hatten wir Anfang der Ferien, als unsere ältesten österreichischen Schwestern das Zentrum in Olomouc besuchten. Im Geiste der Meinung von Papst Franziskus im Juli, die zum Dialog zwischen den Generationen auffordert und zum Hören auf die Weisheit der Älteren, tauschten sie sich gerne mit ihren jüngeren Mitschwestern über ihre Erfahrungen, ihre Weisheit und Liebe zur Berufung aus. Die älteren Schwestern wiederum erbauten sich durch die Teilnahme an der Gelübdeerneuerung von drei Schwestern in der Bewährungszeit am 1. 7. in der Annakapelle in Olomouc. Die hl. Messe zu diesem Anlass feierte P. Ladislav Švirák.


 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die richtige Richtung einschlagen

Die richtige Richtung einschlagen – das wollten mit Hilfe der Schwestern Jesu zehn Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren Anfang August in Olomouc, wo sie in einem Studentenheim untergebracht waren. Treuer Begleiter und Lehrer der geistlichen Unterscheidung war dabei der hl. Ignatius von Loyola. Als die Mädchen vorspielen sollten, was sie am meisten angesprochen hat, wählten sie die Verwundung des hl. Ignatius und seine daraus folgende Erkenntnis des guten und des bösen Geistes, untermalt von seinem Lieblingsgebet „Seele Christi“, begleitet auf der Klarinette.
Sie trafen sich auch mit den Schwestern im Zentrum, wo sie Zeit zum Gebet in der Kapelle hatten sowie zum Austausch. Sie übten sich ein in die Betrachtung der Heiligen Schrift, leiteten manchmal das Abendgebet und reflektierten den Tag anhand von Fragen, die die Schwestern vorbereitet hatten. Zum Programm gehörte auch eine kleine Mutprobe, nämlich in Begleitung des Mesners den Turm des Domes zu ersteigen, was aber reichlich belohnt wurde durch die anschließende Freude. Außerdem durfte ebenfalls eine Wallfahrt nicht fehlen, diesmal nach Svatý Hostýn zur Muttergottes.
Die Mädchen waren dankbar für die vielen Anregungen ins praktische Leben, für das Treffen in einer kleinen Gruppe, für die Kreativität beim Kerzenverzieren usw. Manch eines der ausgesäten Körnchen fiel wohl auf guten Boden…

Fotos

„Steh auf, ich mache dich zum Zeugen dessen, was du gesehen hast.“

Das war das Motto des heurigen landesweiten Jugendtreffens von 9. – 14. 8. in Hradec Králové (Königgrätz). Die Jugendlichen konnten dabei ihre Beziehung zu Gott vertiefen, neue Impulse für ihr geistliches Leben bekommen und sich in Gruppen austauschen, was noch durch persönliche Zeugnisse bereichert wurde. Unsere Gemeinschaft war durch zwei Schwestern im Vorbereitungsteam vertreten, beide waren sehr dankbar für diese Erfahrungen.

„Es war für uns wirklich eine große Freude so viele junge Leute zu erleben, die Gott näher kommen wollen. Oft haben wir die menschliche und christliche Reife der Teilnehmer bewundert und auch die Opferbereitschaft derer, die geholfen haben. … Einige Jugendliche kamen aus Pfarren, wo es keine Jugendgruppen gibt und wo sie ihren Glauben ‚allein‘ leben. Ihre innere Kraft und ihr Glaube, mit dem sie selber in der Pfarre etwas beginnen wollen, waren eine Ermutigung. … Im Rahmen der Katechesen bekamen wir genug Angebote zu hören: sei dankbar, sei du selber, sei Zeuge in der Welt und zuhause, sei heilig. … Und ein großer Dank an jene, die das Treffen im Gebet und Opfer unterstützt haben. Wir konnten von innen her spüren, dass wir von der Gnade Gottes getragen waren und dass dieses Treffen in unserem Leben Früchte bringen soll.“

 

Dank und Übergabe des Dienstes der Provinzvorgesetzten

Heuer im Frühjahr meldete sich der Herr im Leben der Vorgesetzten der Tschechischen Provinz, Sr. Petra Kučerová und damit auch für die ihr anvertraute Provinz zu Wort. Gesundheitliche Schwierigkeiten führten dazu, dass sie im August ihren Dienst niederlegte. Sr. Alena Jindrová als Generalvorgesetzte ernannte daher Sr. Olga Zelená mit 22. 10. 2022 für drei Jahre zur Vorgesetzten der Tschechischen Provinz.
Ein Treffen der Schwestern am 29. 10. 2022, bei dem alle tschechischen und zwei ausländische Kommunitäten vertreten waren, nutzten wir um Sr. Petra für ihren selbstlosen und großzügigen Dienst zu danken.
Gleichzeitig begrüßten wir Sr. Olga in ihrer neuen Aufgabe und die Schwestern, die ihr bei der Verwaltung der Provinz helfen werden. Bei dem Treffen zeigten sich die unterschiedlichen Talente der Schwestern aus verschiedenen Kommunitäten, ein Reichtum, den die Gemeinschaft in ihren einzelnen Schwestern hat. Es gab auch Raum für persönliche Begegnungen und um sich darüber auszutauschen, was sich in der Gemeinschaft tut.

 

Eintritt ins Noviziat

Mehr als zwei Jahre hat Anwärterin Barbora ihre Berufung, uns Schwestern sowie unsere Gemeinschaft kennengelernt. Am Ende des Vorbereitungsjahres, das zur Ausbildung vor dem Noviziat gehört, reflektierte sie die Zeit, die hinter ihr liegt; sie entschied sich, auf dem Weg der engen Nachfolge Christi weiterzugehen und bat um die Aufnahme in die Gemeinschaft der Schwestern Jesu. Als Termin für den Beginn des Noviziates wurde der 1. 11. 2022 festgelegt, das Hochfest Allerheiligen, an dem es heuer 65 Jahre seit dem geheimen Eintritt unseres Gründers, P. Kunert SJ in die Gesellschaft Jesu sind.
In einer seiner Predigten (1999) erwähnte P. Kunert: „Ich freue mich immer, wenn ich bei einer neuen Berufung dabei sein darf. Ich muss zugeben, dass es mich immer tief trifft, weil ich mich an meine Begeisterung für Gott erinnern kann, mit der ich vor Jahren eingetreten bin. Bei mir war es nicht so schön wie jetzt, aber es war auch echt, sogar hart echt.“
Am Vorabend des Festes feierte P. Ladislav Švirák in unserem Zentrum die hl. Messe, dabei segnete er Kreuz und Kerze, die dann Novizin Barbora bei der Aufnahme als sichtbares Zeichen ihrer Entscheidung für die Nachfolge Christi und ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Schwestern Jesu bekam.
Der Ritus des Eintrittes selber war dann im Rahmen der feierlichen Vesper am 1. 11. Barbora sprach ihr Angebot an den Ewigen Herrn aller Dinge aus und wurde „mit Hoffnung und Freude“ in die Gemeinschaft aufgenommen. Die gemeinsame Mitfeier der Pontifikalmesse im Dom war dann der Gipfel dieses Festes.

Keine einzige Minute vergeugen
Adventimplus

Die Adventszeit ist nicht „bloß“ die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, das wir alle gern haben. Sie hat die Aufgabe, uns auf die Begegnung mit Christus vorzubereiten – sie es einmal von Angesicht zu Angesicht oder in seiner ständigen Ankunft in unserem Alltag. Obwohl beides von innen her zusammenhängt…
 

 „Ich sterbe glücklich, weil ich mein Leben gelebt habe, ohne auch nur eine Minute mit Dingen zu verschwenden, die Gott nicht gefallen“, sagte kurz vor seinem Tod ein italienischer Heiliger, der sel. Carlo Acutis. Die Reliquien dieses 15-jährigen jungen Mannes kamen während ihrer Pilgerreise durch Olomouc im November in die Kapelle unseres Zentrums, sodass wir Gelegenheit hatten, seine Botschaft tiefer zu erfahren. Carlo wusste, dass er auf dem Weg war, dass er auf Gott zuging, dass sein Leben von Liebe erfüllt sein sollte. Er konnte in den außergewöhnlichen Situationen seines Alltags Gottes Spuren entdecken und daher Gott jede Minute Freude bereiten. So konnte er das Leben voll leben.
 
Auch wir können unser Leben voll leben – ein Leben voller Liebe leben, in ständiger Bereitschaft, dem Herrn zu begegnen – wenn wir lernen, Gottes Gegenwart in jeder Situation zu entdecken. Man hat oft Angst oder Befürchtungen vor dem, was unbekannt, irgendwie „unberührbar“ ist, und im Gegensatz dazu erfüllt uns die Gegenwart des Einen, den wir kennen, von dem wir geliebt werden, mit Frieden… Still werden, damit wir auf die vertraute Stimme Gottes hören und ihn in unserem Leben wirken lassen können, ist nicht nur eine Aufgabe für unseren diesjährigen Advent, sondern auch für den Advent des Lebens.