Wann beginnen unsere Herzen
zu brennen?

Er war mit ihnen, denn er war schon von den Toten auferstanden. Sie jedoch erkannten ihn nicht. Sie erkannten ihn nicht, sie hatten ihn verloren, weil ihre Hoffnung zunichte gemacht wurde. Sie erkannten ihn nicht, weil sie nicht fähig waren, den Frauen zu glauben, die das behaupteten. Sie erkannten ihn nicht, weil sie den Sinn der Schrift nicht verstanden. Was hinderte also ihre Augen ihn zu erkennen? Es ging mir nicht in den Kopf, wie das möglich ist. Er hat sich ihnen doch genähert, sich ihnen angeschlossen, hat mit ihnen gesprochen. Ein Gedanke begann sich mir aufzudrängen: Sind wir besser dran? Er ist unter uns. Wie oft gehen wir, als ob es ihn nicht gäbe, als ob wir ihn nicht sehen würden, als ob wir ihn nicht wahrnehmen würden. Wir sind erfüllt von Trauer, Hoffnungslosigkeit und weinen über gescheiterte Pläne, oder dass wir nicht das erreicht haben, was wir erwartet haben. Wir sind in der Situation, in der wir uns erst dazu durchkämpfen müssen ihn zu erkennen. Der österliche Mensch muss in uns neu geboren werden. Deshalb ist es gut, sich Jahr für Jahr an dieses Ereignis zu erinnern.
Wann haben sie ihn erkannt? Er sättigte sie mit dem Wort und dem Brot des Lebens. Mir scheint, er hat ihnen neues Leben eingehaucht. Er hat gleichsam ein Feuer entfacht, das in ihnen nur unter der Asche schwelte, das von menschlicher Wahrnehmung und Erwägungen, von der Täuschung der eigenen Sinne übertönt wurde. Erst als sie initiativ wurden, d.h. als sie aus sich selber hinausgingen und die Bitte aussprachen, er möge bei ihnen bleiben, kommt es zur Wende.
Zur dieser Erkenntnis kam es, indem sie den Sinn der Schrift entdeckten und zu ihm durchdrangen und die Initiative ergriffen, anschließend etwas zu unternehmen. Aus sich selbst hinausgehen, die Bedrückung, die Traurigkeit, die Sorgen niederzureißen, sich dem anderen zu öffnen und ihn zum Tisch zu laden. Mit ihm das Brot zu brechen und mit ihm zu essen. Sie erinnern sich an alles, was er ihnen gesagt hatte: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?“ (Lk 24,32) Ich sage es anders: Hat er nicht das Feuer in uns, das zu verlöschen drohte, von neuem gerade dadurch entfacht, dass er uns die Schrift erklärte? Dieses Feuer, das plötzlich zu einer mächtigen Flamme aufloderte, trieb sie fort aus dem Haus, um den anderen mitzuteilen, dass sie ihn gesehen hatten und was er ihnen gesagt hatte.
Ich ende mit einer Frage, von der wir ausgehen könnten, die auch uns helfen könnte, das langsam verlöschende, aber immer noch glimmende Feuer zu entfachen, das wir mit der Asche unserer täglichen Sorgen und ungelösten Probleme, die uns überfluten, zugedeckt haben: Wann und wie und wodurch beginnt unser Herz zu brennen? Was ist der Blasebalg, der es anfacht? Was ist die Umgebung, in der das Feuer gedeiht? Was bringt das alles zusammen? Dieses Feuer ist nichts anderes als die Liebe zu Christus und die Liebe zum Nächsten.

P. Robert Kunert SJ
Ostern 1999

 

„Die Wenigsten erkennen, was Gott ihnen tun würde, wenn sie sich ihm ganz überließen.“
(Hl. Ignatius von Loyola)