EIN TAG
MIT FRAU DR. KRAUSOVÁ OV

Am 18. 11. 2023 trafen wir uns mit Dr. Jitka Krausová OV (Ärztin, Psychiaterin, Pastoralassistentin der Erzdiözese Olomouc, geistliche Beratung), die wir schon aus mehreren Begegnungen kennen. Es war ein Tag, bei dem wir nicht nur tiefe Gedanken hörten, sondern auch mehrere praktische Übungen machten, unterlegt von der Weisheit und dem Humor der Geschichten und Anekdoten, mit denen die Dozentin in ihrem Vortrag nicht sparte.

Einstieg in das Thema war Claudio Chieffas Ballade der wahren Liebe (La Ballata dell’amore vero). Er besingt einen Menschen, der aus dem Wunsch heraus, andere so zu lieben, wie Gott sie liebt – mit der gleichen Leidenschaft, Kraft, Zärtlichkeit, Treue und Freiheit – zu der Erkenntnis kommt, dass er diese Liebe nicht aus sich selbst hat und dazu nicht fähig ist. Die Liebe, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen eingegossen ist, kommt nur von Gott. Nur mit dieser Liebe, die uns Gott schenkt, können wir lernen, andere zu lieben (das Gute für sie zu wollen).

Frau Doktor sprach weiter über den Prozess, Gott ähnlich zu werden. Gott hat uns nach seinem Bild geschaffen und glaubt an uns, auch wenn er uns kennt und weiß, wozu wir in unserer Zerbrechlichkeit fähig sind. Deshalb sollten auch wir an uns selbst als Abbild Gottes, als Kind Gottes glauben. Ebenso ist es unsere Aufgabe, auch an andere zu glauben. Wir sollen Gott ähnlich werden in seiner Güte und Barmherzigkeit gegenüber allen. Christus am Kreuz hat uns gezeigt, dass die Liebe keine Grenzen kennt. In anderen dürfen wir lernen, Gott anzubeten, weil sie von Gott geschaffen wurden und sein Tabernakel sind.

In ihrer Seelsorgepraxis stößt die Ärztin auf die Tatsache, dass Menschen mittleren Alters oft über Einsamkeit klagen, unabhängig von der Lebensweise und wieviel sie mit Menschen zu tun haben. Einsamkeit ist das quälende negative Gefühl, dass ich allein bin und sich niemand um mich kümmert. Dieses Gefühl wird zu einer Quelle der Unzufriedenheit. Diese Gefühle der Einsamkeit und Unzufriedenheit führen oft zu Egozentrik. In der heutigen Zeit, in der der gesteigerte „Selbstkult“ die gesellschaftliche Norm ist, scheint man davon überzeugt zu sein, dass es in Ordnung ist, egozentrisch zu sein. Aufgrund des Gefühls unzureichender Selbstverwirklichung und mangelnden Glücksgefühls fühlt der Mensch sich dann einsam und unzufrieden. Aber es gibt noch ein anderes Glück auf Erden, das im Sinn des Lebens und in der Erfüllung der Aufgabe besteht, die mir gegeben wurde und die ich anstrebe. Wahre Liebe reift dazu, für den anderen das Glück zu wollen, auch wenn es für einen selbst nicht gut ist.

Wir sollen allmählich von der Unzufriedenheit zum wahren Frieden Christi übergehen, der trotz äußerer Ängste und Spannungen in der Tiefe anhält. Um uns von der Selbstbezogenheit zu befreien, ist ein Prozess der Dezentralisierung von uns selbst notwendig, wenn wir danach streben, den „Thron unseres Ich“ Christus zu überlassen. „Gemeinsam“ wird dann die Einsamkeit ersetzen – wir sind bei Christus und machen alles gemeinsam mit Ihm. Die Solidarität mit Christus soll so weit gehen, dass die geweihten Personen Seinem Kreuz nicht aus dem Weg gehen und in ihrem Leben die Aufgabe erfüllen, die in der Instruktion „Neubeginn in Christus“ (2002) skizziert ist: „Die Berufung der geweihten Personen ist eine Fortführung der Berufung Jesu, und wie er nehmen sie das Leid und die Sünde der Welt auf sich und vollenden sie in der Liebe.“

 
 

„Die Wenigsten erkennen, was Gott ihnen tun würde, wenn sie sich ihm ganz überließen.“
(Hl. Ignatius von Loyola)