ADVENT 2021
MIT DER MUTTER DER STILLE

Vielleicht stellen wir uns – wie jedes Jahr – am Anfang der Adventszeit die Frage: Worauf warte ich? Oder – warte ich überhaupt auf etwas?
Auch der heurige Advent konfrontiert angesichts der fortschreitenden Pandemie jeden von uns mit der Endlichkeit des Lebens und einer bestimmten Beschränkung. Trotzdem – oder gerade deshalb – kann das für uns zu einem großen Geschenk werden, wenn wir das Angebot annehmen, uns mehr auf das Wesentliche des Advents zu konzentrieren als auf das äußere Kolorit, das dessen Atmosphäre und auch die Atmosphäre der kommenden Weihnachtsfeiertage unwegdenkbar verdeutlicht.
Was es bedeutet, aus dem Wesentlichen zu leben, hat uns auf einzigartige Weise die Jungfrau Maria gezeigt. Das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit, ihres Interesses war nicht sie selber – sondern Jemand anderer, Jesus. Und zwar nicht nur, als Gott durch die Botschaft des Engels in ihr Leben eingetreten ist, wie es uns die Adventszeit vor Augen stellt, sondern ihr ganzes Leben hindurch. Diese Haltung Mariens illustriert sehr schön die Ikone mit dem Titel Mutter der Stille. Sie stellt sie dar mit dem Finger auf dem Mund, ohne Jesus, gleichsam in dessen Erwartung.
Die Stille Mariens bedeutet aber auf keinen Fall, dass sie untätig bleiben würde. Sie eilt doch gleich nach der Verkündigung zu Elisabeth. Nein, das ist keine Starrheit, sondern Dynamik!
Stille, das heißt, Gott Raum zu geben, damit in unserem Leben immer mehr Er handelt.
Wer sonst außer der Jungfrau Maria nach der Verkündigung hätte das Recht, „irdische Sorgen“ zu haben! Sie war nicht naiv, sie wusste gut, in was für eine, mit menschlichen Augen gesehen, unlösbare Situation sie gekommen war. Trotzdem spricht sie in ihrem Lobgesang Magnifikat über nichts von dem! Darin ist keine Rede von Befürchtungen, Unruhe, es erklingen keine Erwägungen oder Spekulationen, nur Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass Gott groß ist, im existentiellen Bewusstsein, dass er sich kümmert und seine Liebe nie auf den Menschen vergisst.
Eine ähnliche Erfahrung können auch wir machen, wenn wir unseren Blick auf das eigene Innere lenken, wo in jedem von uns Gott wohnt, und ihm erlauben, dass er uns versichert, dass er sich wirklich kümmert und nie auf uns vergisst. Dann kann auch in unseren Herzen eine tiefe Dankbarkeit einkehren, die es uns ermöglicht, uns im Vertrauen seinen Händen zu überantworten.
In diesem Sinne kann die Adventszeit zu einer einzigartigen Erfahrung eines neuen Wartens auf Gott in unserem Leben werden. Mögen auch wir ihm, wie di  Jungfrau Maria, die Mutter der Stille, unsere Herzen öffnen und ihm erlauben, dass Er unser Leben gestaltet und lenkt…

(Aus den Gedanken von Sr. Marie Čeganová zum Adventbeginn)

 

„Die Wenigsten erkennen, was Gott ihnen tun würde, wenn sie sich ihm ganz überließen.“
(Hl. Ignatius von Loyola)