Der österliche Mensch

Vor einem Jahr zu dieser Zeit war es schwer vorstellbar, dass sich das Coronavirus als solch ausdauernder unwillkommener Gast erweist. Es hat Einfluss auf unser aller Leben. Für viele, die durch seine Schuld jemand Nahen verloren haben, ist das Osterfest eine Gelegenheit, den Sieg Christi über den Tod zu berühren, der allen ewiges Leben sowie Hoffnung auf ein ewiges Wiedersehen schenkt.
Zum Vermächtnis von P. Robert Kunert SJ, dem Gründer der Gemeinschaft der Schwestern Jesu, dessen zweiter Todestag (8. 4. 2019) heuer in die Osteroktav fällt, gehören zweifellos ein lebendiger Glaube und die Hoffnung. Beides hat sich sein ganzes Leben hindurch in vielen schwierigen Phasen bewährt. Er lebte aus dem Glauben an Christus und im Geist seiner eigenen Worte war er in der Tat ein „österlicher Mensch“.

„Christ sein bedeutet, ein österlicher Mensch zu sein. Warum? Weil das Christentum, das von Christus ausgeht, gerade am ersten Osterfest in voller Kraft bestätigt und bekräftigt wurde. Mit dem Wort Ostern ist die Auferstehung des Herrn verknüpft und das ist die amtliche Bestätigung all dessen, was Christus lebte, was er lehrte, wie er arbeitete, warum er starb; mit anderen Worten: Durch Ostern haben wir unser Heil garantiert.
Ich möchte euch zeigen, was es bedeutet, ein österlicher Mensch zu sein: Der Mensch, selbstverständlich der Christ, hat eine Hoffnung und die begräbt er nie! Eine Hoffnung zu haben, bedeutet auch ein Ziel zu haben und darauf zuzugehen. Auf ein Ziel zuzugehen, bedeutet verschiedene Hindernisse zu überwinden, zu bewältigen. Diese zu bewältigen, bedeutet das Ziel zu erreichen. Der österliche Mensch ist also ein Mensch, der das Ziel mit Sicherheit erreicht. Ein solcher Mensch hat etwas, was ihn trägt, was ihn zieht, was ihn anstößt. Der österliche Mensch öffnet sich den anderen, er beginnt etwas von sich zu geben. Was kann er von sich geben? Nichts anderes als das, was er hat. Der Inhalt eines österlichen Menschen ist Christus. Es ist nicht nur Christus, der Gekreuzigte, sondern auch der Auferstandene.
Der österliche Mensch ist ein Mensch, der ganz aus Christus lebt, der – und das ist nicht übertrieben – ein zweiter Christus ist! In der Osternacht erklingt in der Liturgie immer der Gedanke an die Taufe. Die Anfänge der Kirche sind mit der Taufe verbunden. Das bedeutet, der Mensch legt den alten Menschen ab und zieht den neuen an, der Christus heißt, und wird so zu einem zweiten Christus. Die Fülle dieses Anziehens von Christus, dem Herrn zeigt und entfaltet sich im Ordensstand. Der Ordensstand mit den Gelübden ist kein eigenes Sakrament. Er muss es auch nicht sein, weil dieser Stand die volle Entfaltung des Taufsakramentes ist. Der österliche Mensch sollte an erster Stelle ein Mensch sein, der sich Gott ganz angelobt, das heißt ein Ordensmensch.“ (Aus einer Predigt von P. Kunert SJ aus dem Jahr 1992)

 

„Die Wenigsten erkennen, was Gott ihnen tun würde, wenn sie sich ihm ganz überließen.“
(Hl. Ignatius von Loyola)